Interview: Ich möchte als Bürgermeisterin neue Prioritäten setzen

Für die Halveraner Grünen habe ich mein erstes ausführliches Interview zu meiner Kandidatur gegeben. Lest hier, was ich an Halver mag und welche Themen ich als Bürgermeisterin sofort in Angriff nehmen möchte.

Du kandidierst für das Amt der Bürgermeisterin in Halver, lebst aber noch nicht lange hier. Was qualifiziert Dich, die Interessen dieser Stadt zu vertreten?

Seit ich vor rund neun Jahren nach Halver gezogen bin, engagiere ich mich ehrenamtlich in der Stadt. Am Anfang habe ich mich auf den Sport konzentriert und Kinder beim TuS Grünenbaum trainiert. Nach knapp vier Jahren habe ich mich dann den Grünen Halver angeschlossen – ursprünglich vor allem, um mich für mehr Klima- und Artenschutz in unserer Kommune einzusetzen. Lokalpolitik umfasst aber so viel mehr Themen, sodass ich mich schnell auch mit Kanalgebühren, Straßenbau, Schulgebäuden und Gewerbegebietsentwicklung beschäftigen musste. Ich stecke mittlerweile bis über beide Ohren in vielen dieser Themen, kenne die Stärken und Schwächen unserer Stadt und weiß, wie herausfordernd es ist, Veränderungen anzuschieben. Ich bin jedoch bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

Halver ist seit knapp neun Jahren mein Zuhause. Foto: Martin Donat

Was hast Du bisher ganz konkret in Halver bewirkt – politisch, gesellschaftlich oder im direkten Kontakt mit den Menschen hier?

Ich hoffe, dass der ein oder andere meiner Spieler und Spielerinnen Sport und Teamgeist lieben gelernt hat und die Werte eines fairen Miteinanders weiterträgt. Politisch bin ich stolz darauf, dass wir Grünen uns mit konkreten Lösungsideen in alle Debatten einbringen, auch wenn es um Projekte geht, die wir aufgrund einer fehlenden Mehrheit nicht verhindern können. Wir haben zum Beispiel die Gestaltung des Gewerbegebietes Leifersberge mitgeprägt und Vorschläge für Verbesserungen im Nahverkehrsplan gemacht. Gesellschaftlich denke ich sehr gern an das Dinner für Demokratie und die Demo “Halver hält zusammen“ zurück. Beide Veranstaltungen haben wir parteiübergreifend organisiert und sie bringen zwei mir wichtigste Anliegen zum Ausdruck: Nämlich Dinge miteinander und füreinander zu gestalten und dabei immer im Gespräch zu bleiben, was nicht nur heißt, dass ich meine Meinung kundtue, sondern auch, dass ich meinem Gegenüber Fragen stelle und zuhöre. Nur so gelingt ein echter Dialog.

Viele Menschen hier wünschen sich eine Bürgermeisterin, die Halver wirklich lebt und fühlt. Was macht Halver für Dich zu deinem echten Zuhause?

Das Gefühl, wieder durchatmen zu können, wenn ich nach einer meiner Dienstreisen mit der Buslinie 84 aus Hagen nach Halver fahre und aus dem Fenster in die Weite schaue. Ich mag die Lebendigkeit unserer Stadt, die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und mit Ausdauer und Ideen Dinge vorantreiben. Dieses Engagement ist eine echte Stärke. Allerdings fehlt in so manchen Bereichen der Nachwuchs. Ich möchte jeden motivieren, sich einzubringen – egal ob hier geboren oder zugezogen. Unsere Stadt steht vor großen Herausforderungen und diese werden wir nur gemeinschaftlich lösen können. Da braucht es die Hilfe und Bereitschaft vieler, Verantwortung zu übernehmen.

Aufnahme von der Demonstration „Halver hält zusammen“, welches Mitglieder unseres grünen Ortsverbandes im Februar dieses Jahres mitorganisiert haben. Foto: Martin Donat

Was macht Halver für Dich persönlich besonders? Was bedeutet Dir dieser Ort?

Es sind die Menschen und ihre tiefe Verbundenheit zu unserer Stadt. Viele der Aktiven, die ich in den vergangenen Jahren kennenlernen durfte, engagieren sich seit Jahrzehnten mit unglaublicher Ausdauer und auch gegen so manche Widerstände. Ein solches Durchhaltevermögen beeindruckt mich sehr und Halver braucht diese Energie. Wir arbeiten gegen den Bevölkerungsschwund an und brauchen auf allen Ebenen gute Ideen, um ein attraktiver Ort zu bleiben. Dazu gehören grüne Energie, moderne Schulen und Kitas, ein abwechslungsreiches Kulturangebot, ausreichend Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten und natürlich Menschen aus vielen Nationen, die miteinander im Gespräch sind und bleiben. Halver ist mein Zuhause – und deshalb liegt mir alles daran, meinen Beitrag zu leisten, dass unsere Stadt bunt, offen, lebendig und aufgeweckt bleibt.

Wo siehst Du Halver in zehn Jahren – was ist deine Vision?

In zehn Jahren können wir uns vollständig mit lokal erzeugtem, grünen Strom versorgen, haben große Fortschritte bei der Wärmewende gemacht, Radwege gebaut und die Stadt begrünt und dort, wo es geht entsiegelt, um uns vor der extremem Hitze zu schützen und Überschwemmungen durch Starkregen einzudämmen. Beides wird kommen, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Einnahmen aus der Windkraft helfen uns, wertvolle Einrichtungen wie das Bürgerzentrum zu erhalten und das Ehrenamt zu unterstützen. Unsere Unternehmen haben die Transformation gemeistert und sind weiterhin innovative Hidden Champions. Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch, dass wir unseren Haushalt stabilisieren können und gemeinsam sehr überlegt planen.

Das Wir-Gefühl in unserem Grünen Ortsverband trägt sehr stark dazu bei, dass ich mich in Halver sehr wohl und Zuhause fühle. Foto: Martin Donat

Wofür stehst du politisch?

Ich stehe von Kopf bis Fuß für ein nachhaltiges Handeln und eine offene, demokratische Gesellschaft. Wir müssen die Bedürfnisse von Klima, Natur und Menschen bei allen Entscheidungen zusammendenken – das heißt auch, Dinge völlig neu zu denken und umzusetzen. Dazu braucht es Neugierde, Fachwissen und auch jede Menge Mut. Was unser Miteinander betrifft, so interessiert mich nicht, woher ein Mensch kommt. Ich möchte stattdessen wissen, was ihn auszeichnet und wie er sich einbringen kann und will – zum Wohle unserer Stadt.

Welche fünf konkreten Projekte würdest Du als Bürgermeisterin als erstes umsetzen?

Wir brauchen einen Plan, wie wir unsere Stadt klima- und energiefit machen. Dazu gehört erstens eine gut durchdachte kommunale Wärmeplanung, die allen Hausbesitzenden Planungssicherheit gibt und bestenfalls auf erneuerbaren Strom und Wärme aus lokaler Erzeugung setzen kann. Zweitens brauchen wir ein Klimaanpassungskonzept, um unsere Stadt gegen die Risiken von Starkregen, Hochwasser, Dürre und extremer Hitze zu wappnen. Ohne ein solches Konzept, werden wir kaum Fördermittel für die dringend notwendigen Umgestaltungen erhalten. Drittens müssen wir unsere Schulen weiter sanieren. An der Lindenhofschule wird gerade gebaut. Aber auch an der Humboldt-Schule, an der Regenbogenschule und am AFG besteht zum Teil erheblicher Nachbesserungsbedarf. Wir stehen viertens vor der Aufgabe, unser Konzept für einen Offenen Ganztag mit Leben und Ideen füllen, sodass unsere Kinder Spaß haben und ihre Talente gefördert werden. Und fünftens gilt es, Großprojekte wie die Sanierung oder den Neubau des Bauhofes und des Feuerwehrgerätehauses in Oberbrügge gemeinsam, plan- und maßvoll umzusetzen und natürlich deren Finanzierung sicherzustellen.

Im Gespräch mit der Grünen Landesvorsitzenden Yazgülü Zeybek und Oliver Krischer, Grüner Landesminister für Verkehr, Naturschutz und Umwelt in NRW. Foto: Martin Donat

Wie genau willst Du den Dialog mit Jugendlichen, älteren Menschen oder Zugezogenen fördern?

Es braucht zum einen Orte, an denen man sich begegnen und in den Austausch kommen kann. Grüne, lebenswerte Plätze in der Stadt oder zum Beispiel eine hoffentlich bald öffentlich zugängliche Franz-Dobrikat-Arena gehören für mich dazu. Der Spielplatz am Rathaus zeigt, wie gut solche Orte das Miteinander fördern und Menschen ins Gespräch bringen. Zum anderen braucht es gemeinsame Aktivitäten und klare Signale, dass wir einen Austausch auch wirklich wollen. Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns Grünen zum Beispiel gelänge, einen Jugendrat ins Leben zu rufen und junge Halveraner*innen zu finden, die sich in diesem Gremium auch engagieren und politisch mitdiskutieren wollen. Die Stimmen und Meinungen unser Jungend fehlen bislang in allen wichtigen Debatten.

Wie willst Du mit politischen Mitbewerbern im Stadtrat zusammenarbeiten, wenn es um wichtige Entscheidungen für Halver geht?

Ich schätze an unserem aktuellen Stadtrat, dass es allen Ratsmitgliedern vor allem um Sachthemen geht, um beste Lösungen für unsere Stadt. Welche Lösungen das sind, darin sind wir durchaus unterschiedlicher Meinung, aber es geht zumeist um die Sache und gemeinsam finden wir oft gute Kompromisse. Ich will diese Sachlichkeit und Diskussionskultur stärken – mit einer transparenteren Kommunikation der Verwaltung zu allen Themen und auch mit einer verbesserten Fehlerkultur. Dinge können schiefgehen – nur muss man als Verwaltung dazu stehen und gemeinsam mit der Politik beraten, wie man mögliche Schäden behebt und es in Zukunft besser macht.

Unterwegs mit dem ADFC Halver – auf einer seiner Sonntagstouren.

Kritiker sagen, dass du Bauen und wirtschaftliche Entwicklung aus ideologischen Gründen verhindern willst. Was entgegnest du den Kritikern?

Wer die Themen Bauen und Wirtschaftsförderung heute noch so denkt wie vor 10, 20 oder 30 Jahren, dem würde ich tatsächlich widersprechen. Kreativen und vor allem nachhaltigen Konzepten aber stehe ich sehr offen gegenüber. Davon aber gibt es meinem Gefühl nach in Halver noch nicht genug. Ich frage mich zum Beispiel, ob sich das produzierende Gewerbe nicht noch besser einbinden ließe in die Kreisläufe unserer Stadt – etwa durch die Nutzung entstehender Abwärme in der Wärmeversorgung benachbarter Wohnsiedlungen. Solche ungenutzten Potenziale müssen wir identifizieren und effizient erschließen, selbst gegen rechtliche Widerstände. Und vielleicht haben ja auch unsere Unternehmen kreative Ideen, was künftig denkbar wäre und einen echten Mehrwert bringt.

Wer bist Du eigentlich außerhalb der Politik? Was treibt Dich an, was gibt Dir im Alltag Kraft? Beschreib dich bitte in 3 Sätzen.

Ich bin ein naturverbundenes Landei, kann kaum stillsitzen und begeistere mich für fast jedes Thema, am liebsten jedoch für Natur, Klima und nachhaltige Lebensweisen. Kraft geben mir meine Familie, die Jogging- und Radrunden durch den Wald und die vielen Menschen, die ich in meinem Beruf und in der Freizeit kennenlernen darf.   

Warum sollten Dir die Menschen in Halver ihre Stimme geben?

Ich möchte kein „weiter so“, sondern einen klaren Prioritätenwechsel in unserer Stadt. Wir können vieles besser und nachhaltiger gestalten, wenn wir innovativer und mutiger sind. Es wartet sehr viel Arbeit auf uns, keine Frage. Aber es ist definitiv mehr drin für Halver, wenn wir zukunftsweisend agieren. Ich werde die für Halver wichtigen Themen mit aller Kraft voranbringen. Die Mitarbeitenden im Rathaus, die Lokalpolitiker*innen im Stadtrat und die Bürger*innen der Stadt können darauf vertrauen, dass ich transparent, eindeutig und zügig entscheiden werde.

Vielen Dank für das Gespräch.

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